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Mögliche Aktivitäten fürmehr biologische Vielfalt in der Stadt

1. Blühflächen als Insektenweiden anlegen

Langfristig angelegteWildblumenwiesen und Wildstaudenbeete mit gebietsheimischer Pflanzenvielfalt statt Einheitsrasen oder wechselnder herkömmlicher Bepflanzung verringern in der Regel den Pflegeaufwand und damit den Kostenaufwand (Verzicht auf Wechselbepflanzung; weniger Mähdurchgänge). Diese sollten im Bestfall die Bedürfnisse wirklich bedrohter Arten berücksichtigen (z. B. bei Wildbienen Angebot für Pollenspezialisten) und ein Blütenangebot vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst bieten. Je nachdem, wo die Blühflächen bzw. Staudenbeete angelegt sind, kann hier zusätzlich Nistraum für Wildbienen & Co. integriert werden, sei es durch selbst gebaute Nisthilfen, Trockenmauern, freie Bodenflächen (der Großteil der Wildbienen nistet im Boden) oder Totholzbereiche (Totholzzaun, Baumstümpfe belassen usw.). Raum für Blühflächen innerorts wären z. B. Grünflächen, Verkehrsinseln, Straßen- und Wegränder. Vor allem bei den Grünflächen sollte jedoch auch weiterhin ein Teil wie bisher verbleiben für die Nutzung als Liegeweise, für Picknicks, für Kinder zum Ballspielen und ähnliches.

2. Blüh- und Heckenstreifen auf Feldern

Besonders artenreich sind meist Weg- und Feldraine. Hier bieten sich die Anlage von Blühstreifen, strukturreicher Feldränder und Hecken als Lebensraum an.

3. Insekten- und vogelfreundliche Gehölzinseln

Pflanzung heimischer, möglichst klimafester, Bäume, Sträucher und Hecken als wichtiger Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Kleintiere, vielleicht auch von Obstbäumen und Beerensträuchern mit Kennzeichnung der Erntemöglichkeit für alle. Außerdem ist nichts regionaler und saisonaler, wie vor der Haustür gewachsenes Bio-Obst.

4. Dach- und Fassadenbegrünung

Bäume, Sträucher, Fassaden- und Dachbegrünung bieten nicht nur Lebensraum, sondern sorgen für eine natürliche Verschattung auf Wänden und Dächern und tragen dadurch zusätzlich zum Hitzeschutz bei. Neben Wohn-/Gewerbebauten kann eine Dachbegrünung z. B. auf Wartehäuschen, Garagen, Carports, Schuppen, Fahrradüberdachungen usw. erfolgen (Vorbilder für Dachbegrünung auf Wartehäuschen: Utrecht; Leipzig stellt derzeit um wahlweise auf Dachbegrünung/Solarzellen). Begrünt werden können zusätzlich die Einzäunungen der Müllplätze mit Kletterpflanzen, sofern noch nicht erfolgt

5. Nisthilfen für Vögel

Durch eine zunehmend vogelfeindliche Landschaft wird das Stadtleben für Vögel immer attraktiver. Hatten Schwalben und Mauersegler früher sichere Nistplätze auf Landhöfen, in Ställen, an Gebäuden etc., werden sie heute vielfach nicht mehr geduldet. Es fehlt an Nistmöglichkeiten und Nahrung, so dass ihr Bestand, wie auch der Bestand anderer Vogelarten, immer mehr abnimmt. Das Anbringen von Nistkästen an Fassaden ist eine gute Möglichkeit, Ersatz für verlorene Nistplätze zu schaffen. Dauerhafte Lösungen für Nistmöglichkeiten sind z. B. Einbausteine aus Poren- oder anderem wärmeisolierenden Beton in Fassade, Dämmung oder Putz. Sie haben die Vorteile, dass sie langlebiger und haltbarer als außen angebrachte Kästen sind, sie brauchen nicht gewartet zu werden, passen sich optisch unauffällig in jeden Fassadentyp ein und können verputzt werden. Letztendlich ist jedoch jeder außen angebrachte Nistkasten besser als kein Nistkasten. Einige Nistmöglichkeiten gibt es auch mit Kotbrettchen. Da viele Menschen den Kot als Ärgernis empfinden, ist dies eine sinnvolle Ergänzung. Die Kotbrettchen sollten jedoch jährlich gesäubert werden. Hierfür bräuchte es eine Betreuungslösung. Wasserstellen für Vögel sowie „Lehmpfützen“ für Schwalben zum Nestbau fehlen ebenfalls. Wer hat hier Ideen?

6. Baumpatenschaften/Baumscheiben bepflanzen

Baum-/Gießpatenschaften werden mittlerweile in vielen Städten angeboten. In der Regel läuft es so, dass eine Patenschaftsvereinbarung eingegangen wird, der Baumpate/die Baumpatin kann die Baumscheibe bepflanzen und kümmert sich um die Bewässerung von Baum und Baumscheibe. (siehe Punkt 9. Regenwassernutzung) Link zur Stadt Nürnberg: https://www.nuernberg.de/internet/soer_nbg/baumpatenschaft.html BUND und Stadt Leipzig haben eine tolle Broschüre herausgegeben (Downloadlink am Textende): https://www.leipzig.de/umwelt-und-verkehr/umwelt-und-naturschutz/baeume-undbaumschutz/ stadtbaeume/bepflanzung-baumscheiben-strassenbaeume/ Die Stadt Halle/Saale beispielsweise handhabt Baumpatenschaften wiederum ganz anders: Gegen eine Spende von 250 Euro (gemeinnützig und damit steuerlich absetzbar) wird an einer freien Stelle oder einem Wunschplatz ein Bürgerbaum gepflanzt. Spenden unter 250 Euro werden auf einem Baumspenden-Konto gesammelt.Weitere Infos: http://www.halle.de/de/Verwaltung/Umwelt/Natur%2Dund%2DArtenschutz/Baumschutz/Baumpat enschaften/

7. Balkone, Fensterbank, Terrassen, Hinterhof, Vorgärten und Gärten

Hier können die Bürger durch Öffentlichkeitsarbeit und z. B. Stände des BUND, NABU aufmerksam gemacht werden, sich in Eigeninitiative durch naturnahe Bepflanzung mit heimischen Pflanzen und Vogelschutzgehölzen, das Anbringen von Nisthilfen für Vögel, Aufstellen von Vogeltränken, Verzicht auf Pestizideinsatz für mehr Artenvielfalt zu engagieren und neue kleine Lebensräume zu schaffen.

8. Friedhöfe – Flächen- und Grabgestaltung

Jenas Friedhöfe dienen den Menschen nicht nur zur Besinnung, sondern auch zur Erholung. Vor allem große städtische Friedhöfe haben in der Regel noch einen alten Baumbestand, bieten viele Rückzugsorte und sind damit ein wahres Paradies für viele Tiere. Hier kann man ebenfalls mehr für Artenvielfalt und Umweltschutz tun, z. B. durch Anlegen von insektenfreundlichen Wiesen, Pflanzen heimischer Sträucher, insektenfreundliche Grabbepflanzung oder auch durch Einrichten von Totholzecken/- zäunen als Lebensraum. Mit entsprechenden Hinweistafeln kann das Interesse für die Aktivitäten bei den Bürgern geweckt werden. Gärtnerei „Talstein“ und der Blumenladen auf dem Nordfriedhof könnten beispielsweise ihr Angebot entsprechend anpassen auf Pflanzen mit ungefüllten Blüten bzw. heimischeWildblumen/-stauden.

9. Regenwassernutzung

Aufgrund der zunehmenden Hitzeperioden und Trockenheit sind hier Ideen für ein naturnahes Regenwassermanagement gefragt (Wasserflächen, Gräben, Mulden?). Eine hiesige Genossenschaft stellt beispielsweise bereits ihren Mietern, die langfristig die Pflege von Blumenrabatten vorm Haus übernommen haben, Regenwassertonnen zur Verfügung. Wir finden, das ist nachahmenswert, so wird das Regenwasser sinnvoll genutzt und versickert wieder im Boden.

10. Kindergärten und Schulen

Die nachfolgenden Generationen werden noch mehr von Klimawandel und Rückgang der Artenvielfalt betroffen sein. Von daher sollte besonderes Augenmerk darauf liegen, bereits Kinder für Natur und Umwelt zu sensibilisieren und ihnen die Natur wieder näherzubringen. Im Bereich Kindergärten und Schulen gibt es vielfältige Projektmöglichkeiten in diesem Bereich, angefangen beim Schulgarten, Anlegen von wilden Ecken für Insekten, Vögel & Co., Bau von (Wildbienen-)Nisthilfen, was wiederum beste Beobachtungsmöglichkeiten bietet, um das Leben und den Kreislauf der Natur kennen und schätzen zu lernen, Schaffung eines grünen Klassenzimmers usw. Dieser Bereich ist aufgrund der zahlreichen Kindergärten und Schulen bestimmt eine eigene Gesprächsrunde wert.

11. Vermeiden von Schottergärten

In Jena entstehen neuerdings sogenannte Schottergärten, was nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern auch eine ökologische Frage ist. Durch diese wird zum einen Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren weiterer grüner Lebensraum entzogen, zum anderen fördern die Steinflächen durch die Wärmespeicherung ein weiteres Aufheizen der Stadt. Heilbronn ist eine der ersten Städte, die Schottergärten verbietet. In Herford sind Schottergärten mittlerweile ebenfalls verboten. In Rostock sind in einigen Teilen Schottergärten bereits verboten. Über weitere Verbote wird diskutiert, auch deutschlandweit. Das Argument, dass Schottergärten pflegeleichter seien, mag zwar zutreffen, jedoch sind naturnahe Gärten mit heimischen Wildpflanzen/- stauden ebenfalls pflegeleicht und ökologisch bedeutend wertvoller.

12. Pestizidfreie Kommune

Pflanzenschutzmittel tragen wesentlich zum Verlust der biologischen Vielfalt bei. Jena verzichtet bereits seit 01.01.2019 auf Glyphosateinsatz auf kommunalen Flächen und fügt Klauseln zum vollständigen Glyphosatverzicht beim Abschluss neuer Pachtverträge sowie bei Vertragsverlängerung ein. Hier bleibt die Frage offen: Werden statt Glyphosat andere Pestizide eingesetzt? Von einer pestizidfreien Bewirtschaftung profitieren letztendlich Mensch und Tier. Pestizidfreie Grünanlagen und Spielplätze, pestizidfreies Gemüse und Obst der Klein- und Großgärtner und auch pestizidfreier Stadthonig sind viel gesünder.

13. Bürgerengagement fördern

Wie kann Eigeninitiative gestärkt und gefördert werden, nicht nur im privaten Bereich, sondern auch öffentliche Flächen betreffend? Wäre hier eine Art Veranstaltung/Weiterbildung in Jena denkbar?

14.Wildblumen-Saatguttütchen für Kindergärten, Schulen und den privaten Bereich

Rieger-Hofmann GmbH bietet Saatgut (heimische Wildformen) aus gesicherten Produktionsräumen an (wir sind lt. deren Karte Produktionsraum 3 Mitteldeutsches Flach- und Hügelland, Ursprungsgebiet 5 Mitteldeutsches Tief- und Hügelland)  nach Abstimmung zusammenstellbar,  Mindestabnahme 5000 Saatguttütchen,  nach eigenem Layout bedruckbar,  Kosten ab 0,27 Euro (inkl. 7 % MwSt.) je nach Inhalt,  Füllmenge für 1 qm. Dies wäre eine gute Idee für Kindergärten, Schulen sowie im privaten Bereich für Gärten, Vorgärten, Terrassen und Balkone. Lieferzeit derzeit 6 – 8Wochen nach Layouteingang.


Bund Jena - Christine Zaubitzer